Arbeit

Die Beschäftigten in den Krankenhäusern, bei der Müllabfuhr oder in den Kitas und Schulen – sie und viele weitere Beschäftigte halten den Laden täglich am Laufen. Es ist nicht nachzuvollziehen, warum viele dieser so wichtigen Berufe nicht angemessen bezahlt werden. Wir brauchen gerechte Löhne und faire Arbeitsbedingungen. Wir brauchen einen gesetzlichen Mindestlohn von mindestens 15 Euro mit automatischem Inflationsausgleich, die Abschaffung sachgrundloser Befristungen und eine flächendeckende Sozialversicherungspflicht für alle Arbeitsverhältnisse. Tarifverträge müssen wieder zum Standard werden und Arbeit darf nicht krank machen. Eine sanktionsfreie Mindestsicherung ist zudem das stärkste Mittel der Beschäftigten, sich selbstbewusst gegen Willkür und Drangsalierung einiger Firmenvorstände zur Wehr zu setzen. Eine solche Mindestsicherung bietet soziale Sicherheit, beendet Armut effektiv und ermöglicht ein würdevolles Leben.

Man arbeitet um zu leben, man lebt nicht um zu arbeiten. Trotzdem läuft die Debatte um ein höheres Renteneintrittsalter anhaltend weiter und schlechte Arbeitsbedingungen nehmen immer weiter zu. Ein riesiger Niedriglohnbereich wurde geschaffen, Befristungen und Leiharbeit gefördert. Insbesondere in Ostdeutschland verdienen die Menschen nicht ausreichend, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten – schon gar nicht mit Kindern. Jeder vierte arbeitet im Niedriglohnsektor. In Westdeutschland ist es jeder Sechste. Nur jeder Zweite in Deutschland ist durch einen Tarifvertrag abgesichert und die EU-Richtlinie zum Mindestlohn ist immer noch nicht umgesetzt. Es ist auch volkswirtschaftlich vernünftig, wenn Arbeit zum Leben passt. Wen Arbeit krank macht, der kann nichts leisten, der kann nichts produzieren und nicht einzahlen. 

Die zunehmend schlechten Arbeitsbedingungen sind gepaart mit dem vernachlässigten Bildungssystem ein wesentlicher Grund für den Fachkräftemangel, insbesondere in körperlich fordernden Berufen. Es kommt nicht von ungefähr, dass insbesondere Pflegekräfte, Erzieher.innen und Lehrkräfte um Tarifverträge kämpfen. Die Antwort auf den Fachkräftemangel kann also nicht sein, dass die Arbeitskraft noch stärker ausgebeutet wird – die Menschen noch länger und noch mehr arbeiten sollen. Die Antwort muss sein: bessere Arbeitsbedingungen und vor allem auch bessere Ausbildungsbedingungen Fast 3 Mio. junge Menschen zwischen 24 und 35 Jahren haben keinen Berufsabschluss, darunter sind 75 Prozent, die auch keinen Schulabschluss besitzen. Nicht mal 19 Prozent der Betriebe bilden noch aus. Anstatt aber in bessere Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen zu investieren und die Unternehmen in die Pflicht zu nehmen, wird anhaltend auf der angeblich faulen Jugend rumgehackt. Damit muss Schluss sein!

 

Deshalb fordern wir:

  • Gesetzlicher Mindestlohn rauf: so sieht es auch eine EU-Richtlinie vor. Für 2025 wären das 15 Euro. Dabei darf es aber nicht bleiben, sondern der Mindestlohn braucht einen automatischen Inflationsausgleich. Der Mindestlohn muss vor allem für alle Beschäftigten gelten, auch für Jugendliche. Gleichzeitig müssen die Arbeitszeiten verlässlich erfasst werden, um Lohnbetrug vorzubeugen.
  • Tarifverträgen müssen zum Standard werden: das Arbeitsministerium könnte sie als allgemeingültig erklären, auch ohne Zustimmung der Arbeitgeberseite.
  • Sicherheit und Planbarkeit gewährleisten: Leiharbeit und insbesondere sachgrundlose Befristungen sind langfristig abzuschaffen und mittelfristig enger zu fassen.
  • Volle Sozialversicherung in jedem Arbeitsverhältnis: statt Mini- und Midijobs und Ausnahmen für ausländische Saisonarbeitskräfte. Viele Menschen sehen in Mini- und Midijobs eine Möglichkeit zum niederschwelligen Nebenerwerb. Wir aber wollen, dass Menschen auf solche Zuverdienste gar nicht angewiesen sind, sondern dass Arbeit wieder zum Leben reicht. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung flächendeckender Standard sein.
  • Bürgergeld zu einer sanktionsfreien Mindestsicherung ausbauen: Menschen müssen abgesichert sein, wenn sie krank werden oder auch ganz aus der Beschäftigung fallen. Niemand sucht sich Krankheit und Arbeitslosigkeit aus – schon gar nicht bei Regelsätzen des Bürgergeldes, die nicht zum Leben reichen und den dazugehörigen Sanktionen. Es ist eine Tortur und eine Scham zum Jobcenter gehen zu müssen. Die Erzählung des „faulen Sozialschmarotzers“ ist schlichtweg falsch, um eine unsoziale Politik vertreten zu können, die nur den Reichen dient. Die Würde des Menschen ist unantastbar und zu achten – egal in welcher Situation. Deshalb braucht es eine sanktionsfreie Mindestsicherung, die die Armutsgefährdungsgrenze nicht unterschreitet, inklusive Mietkosten, die regional gestaffelt werden müssen. Denn die Mietpreissteigerung sind zur zusätzlichen Armutsfalle geworden und von Armut Erwachsener sind auch deren Kinder betroffen.