Bildung
Wir brauchen endlich Investitionen in unsere Schulen und Kinder. Unsere Klassen in Pankow sind zu voll und die Lehrerinnen und Lehrer überlastet. Um Lehrer zu entlasten, müssen wir schnell Bürokratie abbauen und Schulpsychologen und Schulsozialarbeiter einstellen. Bundesweit gebührenfreie Kitas und Hochschulen ermöglichen allen Kindern und Jugendlichen unabhängig von ihrer sozialen Herkunft den Zugang zu Bildung. Nicht ohne Grund gehören die Ganztagsschulen in Pankow zu den beliebtesten Schulen, davon brauchen wir mehr, um bessere Lernbedingungen und eine umfassende Betreuung sicherzustellen. Schulen müssen besser ausgestattet und digitale Kompetenzen müssen besser vermittelt werden, um Schülerinnen und Schüler auf die Anforderungen der modernen Arbeitswelt vorzubereiten.
Das Bildungssystem steht vor dem Kollaps: Lehrkräfte kämpfen sich durch den Schulalltag, sollen immer mehr und zusätzliche Verantwortung übernehmen, sind als Fachkräfte gleichzeitig Mangelware. Unterrichtsverkürzung und Unterrichtsausfall sind schon längst Fakt. Ein Viertel der Viertklässler kann nicht mehr richtig lesen und schreiben. Die kaputt gesparte Bildungsinfrastruktur reicht von maroden Schulen über fehlende Schulplätzen bis hin zu Burnout bei Lehrenden, Verzweiflung bei Eltern und Kindern. Die sogenannte Lösung der Ministerien: immer größere Klassen und Verdichtung. Das verschärft die Probleme der Kinder und Jugendlichen aber immer weiter.
Allein bei Schulgebäuden drückt ein Investitionsstau von rund 55 Milliarden Euro (KfW-Kommunal-Panel 2024). Seit Jahren bleiben notwendige Modernisierungsinvestitionen aus, werden gekürzt oder aufgeschoben. Währenddessen feiern der Privatsektor und Stiftungen in der Bildung Hochkonjunktur. Wer es sich leisten kann, schickt seine Kinder auf Privatschulen und zu Nachhilfestunden – ein Parallelsystem floriert, während an den staatlichen Schulen 630.000 Jugendliche durchs Raster fallen – sie befinden sich weder in der Schule noch in Ausbildung. Rund 250.000 hängen in Übergangssystemen fest. Fast 3 Mio. junge Menschen zwischen 24 und 35 Jahren haben keinen Berufsabschluss, darunter sind 75 Prozent, die auch keinen Schulabschluss besitzen. Nicht mal 19 Prozent der Betriebe bilden noch aus.
In Deutschland hängen nach wie vor die Bildungschancen von der sozialen Herkunft ab. Kinder aus Akademiker:innenhaushalten bekommen doppelt so häufig eine Gymnasialempfehlung nach der Grundschulzeit wie Kinder aus Arbeiter:innenfamilien bei gleicher Leistung. Von 100 Grundschülern, deren Eltern nicht Akademiker sind, beginnen nur 21 ein Studium. Von den 21 schaffen es 15 zum ersten Abschluss. Nur 8 machen weiter und von diesen 8 beginnt nur 1 eine Promotion.
Wir Linke stehen für eine Trendwende in der Bildung! Wir unterstützen seit Jahren gute Ideen für eine neue Schule, neue Lernkultur, mehr Teilhabechancen und für den Kampf gegen Bildungsungerechtigkeit. Die Herstellung von Bildungsgerechtigkeit ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Das Ziel muss ein inklusives, demokratisches Schulsystem sein.
Unsere Forderungen:
- Bildung als Gemeinschaftsaufgabe von Bund und Ländern: Das Kooperationsverbot in der Bildung muss fallen und Bildung als Gemeinschaftsaufgabe im Grundgesetz verankert werden. Die Länder können insbesondere den massiven Sanierungsstau bei Schulgebäuden nicht tragen. Es braucht dringend eine Bundesfinanzierung, um durch den fortschreitenden Zerfall auch Folgekosten zu sparen. Die Gebäude müssen energetisch und nachhaltig saniert werden, um Energiekosten zu senken.
- Bildungsrahmengesetz für gleichen Zugang zu Bildung und hohe Qualität: Der Bildungsföderalismus in Deutschland ist historisch bedingt und hat einen entscheidenden Vorteil, den es zu wahren gilt.Bis 1871 bestand Deutschland aus selbstständigen Feudalstaaten und freien Reichstädten. Diese Kleinststaaten betrieben jeweils ihre eigene Kultur- und Bildungspolitik. Eine Zentralisierung der Bildung erfolgte in Deutschland erstmals und gewaltsam durch das NS-Regime mit einem bestimmten Zweck: Bildung wurde als Ideologieträger genutzt, um den „Volkskörper“ gleichzuschalten. Heute gilt mehr denn je: eine solche Gleichschaltung darf es nie wieder geben. Deshalb ist bei allem Ärger über einige Umständlichkeiten, diese wesentliche Funktion des Bildungsföderalismus zu achten und zu wahren. Um aber eine gewisse Einheitlichkeit und vor allem Vergleichbarkeit und damit auch Qualitätssicherung zu ermöglichen, können und sollten länderübergreifende Mindeststandards ausgehandelt und verankert werden. Wir wollen ein Bildungsrahmengesetz, um gleiche Ziele, Rechte und Standards, vergleichbare Abschlüsse, soziale Durchlässigkeit sowie die Sicherung pädagogischer Fachkräfte, bedarfsgerechte Finanzierung nach Sozialindex und Gebührenfreiheit für öffentliche Angebote festzuschreiben und umsetzen zu können.
- Gemeinschaftsschule mit Ganztag, anstatt Selektion: das gegliederte Schulsystem ist als sozial segregierendes Instrument des Bürgertums der Jahrhundertwende entstanden, um gezielt bestimmte soziale Schichten nur für die ungebildete manuelle Arbeit, die etwas gebildete Angestelltentätigkeit oder das elitäre Wissenschaftssystem und staatliche Beamtentum auszubilden und den sozialen Aufstieg innerhalb der Gesellschaft zu verunmöglichen. Auch heute ist und bleibt das gegliederte Schulsystem ein Brandbeschleuniger für soziale Ungleichheit. Deshalb setzen wir uns für eine neue Form des Lernens ein: gemeinsam von der 1. bis zur 10. Klasse mit einem Ganztagsangebot, dass den Unterricht ergänzt, anstatt zur bloßen Betreuung zu verkommen.
- Leistungsdruck runter, Motivation rauf: Kinder und Jugendliche wollen von sich aus die Welt verstehen, Probleme lösen und die Ergebnisse ihrer Anstrengung sehen. Das gilt es zu fördern und nicht mit einem überhöhtem Leistungsdruck zu ersticken. Einüben und Wiederholen gehört zum Unterricht. Dafür braucht es angemessene Klassengrößen und ausreichend Lehrkräfte.
- Mehr Lehrkräfte, weniger Bürokratie: Die Lehrer.innenbildung muss zentrale Aufgabe werden, anstatt weiterhin stiefmütterlich behandelt zu werden. Die Qualität des Studiums muss erhöht und Strategien entwickelt werden, wie die Abbruchquoten bei Lehramtsstudierenden und Erzieher.innen in Ausbildung gesenkt werden. Um Lehrkräftebedarf müssen sich die Länder endlich ehrlich machen und mit realistischen, einheitlichen, vergleichbaren Prognosen den Eigenbedarf verbindlich selbst ausbilden anstatt an ihren Abwerbungstaktiken festzuhalten. Um einen Wechsel und Zuzug in unterversorgte Regionen zu erleichtern, müssen Lehrkräfte in der Bezahlung gleichgestellt werden und egal welche Schulform und Schulstufe – egal ob Grundschule oder Oberschule – bundesweit dasselbe verdienen. Die nichtproduktive Arbeit von Lehrkräften und Erzieher.innen muss durch einen Abbau von Bürokratie reduziert werden, damit mehr Zeit für den Unterricht bleibt. Schulen müssen sich in die Schulentwicklung einbringen können. Die IT muss extern abgesichert werden. Die Anerkennungsverfahren von Abschlüssen aus In- und Ausland müssen vereinfacht und beschleunigt werden. Quereinstiege müssen realistisch geplant, besser qualifiziert, betreut und bezahlt werden.
- Multiprofessionale Teams: Schulpsycholog.innen und Schulsozialarbeiter.innen müssen zum Standard werden. Eine enge Verzahnung mit der Kinder- und Jugendhilfe ist unabdingbar.
